Paul-Gerhardt-Stiftung (seit 1883)

Die Stiftung unterhielt (und unterhält) vor allem ein Krankenhaus, war durch eine seit 1914 bestehende Kran­ken­pfle­geschule und die 1950 erteilte Berechtigung zur Fach­­arztausbildung aber auch unmittelbar in Ausbildungsprozesse involviert. Langjährige wissenschaftliche Kontakte pflegte die Stiftung zur Medizinischen Fakultät der MLU in Halle, nicht zuletzt wurden zahlreiche Promotionen und Habilitationen von Kran­kenhausärzten dort verteidigt. Daneben war die Paul-Gerhardt-Stiftung auch durch die Lehrtätigkeit von Chefärzten an der Universität Halle in den akademischen Betrieb eingebunden.

Literatur

Übergreifendes

Wolfgang Böhmer: Zur Geschichte des Wittenberger Gesundheits- und Sozialwesens – Teil IV. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, unt. Mitarb. v. Bernd Grunert, Norbert Haseloff, Heinrich Kühne u. Werner Teichmann, Stadtgeschichtliches Museum Wittenberg, Lutherstadt Wittenberg 1987

Helmut Bräutigam: Heilen und Unheil. Zur Geschichte des Paul-Gerhardt-Stifts zwischen 1918 und 1945, hrsg. von der Paul-Gerhardt-Stiftung, Drei Kastanien Verlag, Lutherstadt Wittenberg 2017, 249 S. – Inhaltsverzeichnis

Einleitend wird die Geschichte des Paul-Gerhardt-Stifts 1918 bis 1945 im Überblick präsentiert, um dann einzelne Aspekte zu vertiefen, so prägende geistliche Persönlichkeiten, die Auswirkungen der NS-Machtergreifung und der innerkirchlichen Auseinandersetzungen auf das Paul- Gerhardt-Stift sowie Zwangssterilisierungen im Paul-Gerhardt-Stift. Umfänglicher wird die Kündigung des Chefarztes Paul Bosse 1933/1935 verhandelt, ergänzt um einen Anhang mit Zeitdokumenten zu diesem Vorgang. Ein zweiter Anhang enthält Dokumente zur Geschichte des Paul-Gerhardt-Stifts in Wittenberg 1918 bis 1945.

Peter Gierra: Medizinische Ausbildung und wissenschaftliche Tätigkeit am Krankenhaus der Paul-Gerhardt-Stiftung, in: Jens Hüttmann/Peer Pasternack (Hg.), Wissensspuren. Bildung und Wissenschaft in Wittenberg nach 1945, Wittenberg 2004, S. 119–130

Uwe Grelak/Peer Pasternack: Paul-Gerhard-Stift Wittenberg, in: dies., Das kirchliche Berufsbildungswesen in der DDR, Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin‐Luther‐Universität, Halle‐Wittenberg 2018, S. 69–71

Paul Bosse und das Paul-Gerhardt-Stift

Detlev Stummeyer/Ute Stummeyer: Paul Bosse. Seine Klinik in Wittenberg. Unerwünschte Wahrheitssuche, BoD – Books on Demand, Berlin 2015, 317 S.  – Inhaltsverzeichnis

Bosse war Chefarzt am Paul-Gerhardt-Stift, bis ihn die Nationalsozialisten aus dem Amt vertrieben, wobei das Stift selbst keine rühmliche Rolle spielte. Die Autoren erzählen und kommentieren die Geschichte Bosses in ihrer Verwobenheit von Zeit-, Kirchen- und Lokalgeschichte. Antrieb für das Buch war wesentlich die Wahrnehmung der Autoren, dass auch noch lange nach 1989 kein Versuch unternommen worden sei, seine Lebensleistung zu würdigen, sondern ihn im Gegenteil vergessen zu machen.

Helmut Bräutigam: Heilen und Unheil. Zur Geschichte des Paul-Gerhardt-Stifts zwischen 1918 und 1945, hrsg. von der Paul-Gerhardt-Stiftung, Drei Kastanien Verlag, Lutherstadt Wittenberg 2017, 249 S. – Inhaltsverzeichnis

Unter anderem wird die Kündigung des Chefarztes Paul Bosse 1933/1935 verhandelt, ergänzt um einen Anhang mit Zeitdokumenten zu diesem Vorgang.

Ute und Detlev Stummeyer (Hg.): Paul und Käte Bosse, Lutherstadt Wittenberg. Website, Edingen-Neckarhausen 2017ff.

Die Herausgeberin ist Enkelin von Paul und Käte Bosse. Ergänzend zu ihrem o.g. Buch „Paul Bosse. Seine Klinik in Wittenberg. Unerwünschte Wahrheitssuche“ dokumentiert und kommentiert die Website kritisch die Aktivitäten der Paul-Gerhardt-Stiftung um die Stiftungsgeschichte im Nationalsozialismus.

Hans-Jürgen Grabbe: Verleumdet, verfolgt, vertrieben. Der Wittenberger Arzt Paul Bosse und seine Familie 1900–1949, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2019, 278 S. – Inhaltsverzeichnis

Der Band unternimmt eine miteinander verflochtene und aus zahlreichen Quellen rekonstruierende Darstellung der Familie Bosse und mit ihr verwandschaftlich verbundener weiterer Familien. Damit gelangen Fluchtbewegungen und Perspektiven in den erzählerischen Horizont, die das Ausmaß der nationalsozialistischen Verfolgung zusätzlich veranschaulichen.

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