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Die Universitätsbibliothek

Die Bibliotheca Electoralis, der Aufbau der Universitätsbibliothek und ihre Überführung nach Weimar nach dem Ende des Schmalkaldischen Krieges

Ausgangspunkt für den Aufbau der Wittenberger Universitätsbibliothek war die Bibliotheca Electoralis, die kurfürstliche Büchersammlung, 1512 von Friedrich dem Weisen als Schlossbibliothek eingerichtet. Im gleichen Jahr erläuterte der Kurfürst seine Beweggründe und betonte: Der Aufbau der Bibliothek in seiner Wittenberger Residenz solle Lehrern wie Schülern der Universität dienen und die gerade erst gegründete LEUCOREA fördern.

Universitätsbibliothek Wittenberg, Portalbeschriftung

Mit der Aufsicht wurde der Humanist und kurfürstliche Sekretär Georg Spalatin betraut. Er trieb in der Folgezeit den Ausbau der Bibliothek und die Sicherung ihrer Finanzierungsgrundlagen voran. Die italienischen und französischen Buchmärkte wurden sondiert, um den gezielten Aufbau der Sammlung mit qualitativ hochwertigen Büchern zu ermöglichen. Durch die Reformation in Kursachsen kamen auch wertvolle mittelalterliche Handschriften aus aufgelösten Klöstern in den Bestand.

1536 wurde die Bibliothek im Südflügel des Schlosses neu aufgestellt, ihre Verwaltung im 16. Jahrhundert allmählich institutionalisiert. 1536 umfasste die Bibliothek 984 Bände mit 1.600 Titeln (es wurden z.T. mehrere Autoren und Titel zusammengebunden). Im gleichen Jahr wurde zudem ein erster Bibliothekskatalog in zwei Teilen erstellt, ein systematischer und ein Autorenkatalog. 1547 verfügte die Bibliothek dann über 3.132 Bände.

Nach der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg mussten sich diese 1547 auf ihre verbliebenen Thüringer Besitztümer zurückziehen. Dabei wurde auch die LEUCOREA-Bibliothek aus Wittenberg abtransportiert und in Kisten und Fässern zunächst nach Weimar gebracht, wo sie im Franziskanerkloster eingelagert wurde. Ein Teil der Wittenberger Handschriften und Drucke blieb dann in Weimar als Bibliothek Johann Friedrichs II. Der Großteil der vormaligen LEUCOREA-Bibliothek, etwa 1.500 Bände, wurde aber 1549 in das Dominikanerkloster nach Jena transportiert.

Dort bildete er nach der Gründung der Universität Jena 1558 – bereits 1548 war die Vorgängereinrichtung „Paedagogium provinciale“ eröffnet worden – die Grundlage für den Aufbau der dortigen Universitätsbibliothek. Die Bibliothek Johann Friedrichs II., die zunächst in Weimar verblieb und dann ebenfalls nach Jena überführt wurde, wurde von den kurfürstlichen Räten in Leipzig 1573 seinen Söhnen zugesprochen. 1589 forderte Johann Casimir von Sachsen-Coburg dieses Erbe ein, woraufhin diese Bibliothek 1590 nach Coburg verbracht wurde.

Eingang Universitätsbibliothek Wittenberg (Zustand 2020)

Die Bibliotheca Electoralis befindet sich heute im Bestand der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB) und ist mittlerweile komplett digitalisiert worden (Link zum Digitalisierungsprojekt Bibliotheca Electoralis; Recherche im Bestand). Ebenfalls überliefert und digitalisiert sind Handschriften. Besonders wertvolle Quellen stellen die historischen Wittenberger Bibliotheksverzeichnisse (z.B. Alphabetischer Katalog der Kurfürstlichen Bibliothek zu Wittenberg von 1536) und Anschaffungslisten für Bücher dar (z.B. Liste anschaffenswerter Bücher für die Kurfürstliche Bibliothek zu Wittenberg, 1. Hälfte 16. Jh., geschrieben von Georg Spalatin). Der kleinere Teil der früheren Wittenberger Universitätsbibliotheksbestände, der von Jena nach Coburg überführt worden war, könnte heute nur durch einen Abgleich des Jenaer Bibliotheksbestands mit Wittenberger Bibliotheksverzeichnissen ermittelt werden, und dies wohl auch nur teilweise.

Auch die Sammlung des Theologen Georg Rörer, der in Wittenberg studiert hatte und zu den engsten Mitarbeitern Martin Luthers zählte, liegt in Jena komplett digitalisiert vor. Sie gehört zu den bedeutendsten Quellensammlungen zur Reformation (Digitalisierungsprojekt der Sammlung Georg Rörer). Rörer hatte 1522 begonnen, Vorlesungen und Predigten Luthers und anderer Wittenberger Theologen aufzuzeichnen. In den folgenden Jahren erweiterte er seine Sammlung planvoll, erstellte Hefte und Bände und fügte auch Briefe hinzu. Sein früherer Landesherr Johann Friedrich von Sachsen holte Rörer mit seiner handschriftlichen Sammlung 1553 nach Jena, um mit der Sammlung zur Kontinuität der Wittenberger Theologie beizutragen.

Ein weiteres Beispiel für personenbezogene Sammlungen Wittenberger Alumni und Professoren ist die „Amsdorffiana“, die Sammlung Nikolaus von Amsdorffs. Sie befand sich zunächst im Bestand der ThULB und wurde mittlerweile an die Thüringische Landesbibliothek zu Weimar überführt (ediert in Reihert: Amsdorff und das Interim, Leipzig 2011).

Der Neuaufbau der Bibliothek in Wittenberg, ihre Professionalisierung und Bestandserweiterung

In Wittenberg begann nach 1547 der Neuaufbau einer Bibliothek. Der Erwerbungsetat zur Anschaffung neuer Bücher blieb jedoch zunächst gering. Schenkungen und Stiftungen waren daher die wesentliche Grundlage für den Neuaufbau. Neben dem zentralen Bibliotheksbestand wurde 1580 eine Arbeitsbibliothek für die kurfürstlichen Stipendiaten im Collegium Augusteum eingerichtet. Zudem bauten die höheren Fakultäten eigene Bibliotheken auf. 1598 zog die zentrale Universitätsbibliothek aus dem Schloss in das Augusteum um, ein bedeutender Neubeginn für die weitere Bibliotheksgeschichte.

Das 17. und 18. Jahrhundert standen vor allem im Zeichen einer Professionalisierung der Bibliotheksverwaltung und der Bestandserweiterung. So wurden 1617 eine Kommission von Fakultätsvertretern als Aufsichtsgremium der Bibliothek eingesetzt, 1623 eine erste Bibliotheksordnung erlassen (übersetzt abgedruckt in Herricht: Zur Geschichte der Universitätsbibliothek Wittenberg, Halle/S. 1977) und am Ende des Jahrhunderts erstmals „Bibliothekare“ gesondert ausgewiesen. In dem vom Bibliothekar und Orientalisten Andreas Sennert erstellten Bibliothekskatalog waren 1678 etwa 1.300 Bücher verzeichnet. Am Ende des Jahrhunderts hatte die Bibliothek, vor allem durch private Vermächtnisse, einen Bestand von 4.390 Werken.

Porträt Johann August von Ponickau (1718–1802)

Insbesondere durch Hinterlassenschaften von Professoren und den gezielten Erwerb von Gelehrtenbibliotheken gelang es im 18. Jahrhundert, den Bestand bedeutend zu erweitern. Darunter befand sich auch die Bibliothek des sächsischen Geheimen Kriegsrats Johann August von Ponickau. Er vermachte 1789 nicht nur seine Büchersammlung der LEUCOREA, sondern stiftete auch die finanzielle Grundlage ihrer Verwaltung. Später kontinuierlich erweitert, ist sie eine einzigartige Sammlung von literarischen und anderen Zeugnissen zur Geschichte und Geografie der früheren preußischen Provinz Sachsen und der anhaltinischen Gebiete, des Königreichs Sachsen und Thüringens.

Ebenfalls der Universität gestiftet worden war die Bibliotheca Nationis Hungaricae (Ungarische Nationalbibliothek). Stifter war der ungarische Exilant Georgius Michaelis (1640–1725), der sich nach seinem Heimatort Kaschau den Namen „Cassai“ gegeben hatte. Er lebte seit 1675 in Wittenberg, hat dort studiert, promoviert und seit 1712 als Dekan der Philosophischen Fakultät gewirkt. 1725 errichtete er eine Stiftung für die in Wittenberg studierenden Ungarn. Ihnen sollten auch seine ca. 2.000 Bücher an wissenschaftlicher Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts, darunter mehr als 300 Unikate altungarischer Drucke, zur Verfügung stehen.

1755 erfuhr der Bestand durch den Ankauf der „Manuscripta Rotaridis“, der Sammlung des 1747 in Wittenberg verstorbenen ungarischen Handschriftensammlers und Literaten Michael Rotarides, eine wertvolle Erweiterung. Diese beinhaltet außer den Manuskripten von Cassai und Rotarides eine Anzahl von Manuskripten, die ungarische Studenten bis ins 19. Jahrhundert hinein der Bibliothek überwiesen hatten.

Insgesamt blieb die Finanzierung der Universitätsbibliothek dennoch prekär. Dies betraf z.B. auch die Ponikausche Bibliothek, für deren Aufbewahrung Schulden aufgenommen werden mussten. Im Siebenjährigen Krieg wurde Wittenberg Festungsstadt, und die LEUCOREA litt unter den Zerstörungen und militärischen Einquartierungen. Die Universitätsbibliothek war jedoch zunächst von der militärischen Zweckentfremdung ihrer Räumlichkeiten nicht betroffen. Mittelfristig hatte der Krieg allerdings auch für sie erhebliche Folgen. Angesichts der kriegsbedingten Schäden und Belastungen für die Universität war der Finanzspielraum für Investitionen in den Bibliotheksbestand gering.

Beschuss Wittenbergs im Siebenjährigen Krieg 1760, Quelle: Wikimedia

Zudem waren zahlreiche Privatbibliotheken von Professoren zerstört worden. Somit waren Schenkungen von Büchern oder die testamentarische Übereignung ganzer Sammlungen aus diesen Privatbeständen an die Bibliothek nicht mehr möglich. Im Zuge der Napoleonischen Kriege am Beginn des 19. Jahrhunderts war die Bibliothek erneut von kriegsbedingten Folgen betroffen (siehe dazu Universitätsarchiv).

Universitätsvereinigung mit Halle und der Verbleib der LEUCOREA-Bibliothek

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich der Bestand der Bibliothek aus etwa 20.000 Büchern sowie rund 30.000 kleineren Schriften zusammen, hinzu kamen die Sammlungen der Gelehrtenbibliotheken. Die Universitätsvereinigung 1817 bedeutete das Ende der Wittenberger Universitätsbibliothek in ihrer bisherigen Form.

Etwa ein Drittel ihres vormaligen Bestands, die theologischen und philosophischen Werke, wurde in die Bibliothek des in Wittenberg neu gegründeten Evangelischen Predigerseminars überführt. Dieser Bestand bildete dort die Grundlage für den Aufbau der Seminarbibliothek. Der Gründungsrektor des Predigerseminars Heinrich Leonhard Heubner soll der Anweisung der preußischen Regierung, die Bibliothek bis auf wenige definierte Ausnahmen nach Halle zu überführen, dadurch begegnet sein, dass er sehr restriktiv definierte, was kein Bibliotheksgut sei, somit auch nicht zur Bibliothek gehöre und folglich nicht nach Halle überführt werden müsse.

Universitätsgeschichtlich bedeutsam sind z.B. die zirka 25.000 Dissertationen und Disputationen aus dem 16. bis zum 19. Jahrhundert, die im Predigerseminar aufbewahrt wurden (heute in der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek). Das gilt auch für den Bestand von mehr als 5.000 Funeralschriften. Diese Leichenpredigten entstammen in großer Zahl dem akademischen Milieu.

Einen wichtigen Beitrag zur Erschließung des im Predigerseminar aufbewahrten akademischen Schrifttums leistete Heinrich Kramm mit einer 1941 erschienenen bibliografischen und historischen Einordnung der Wittenberger Universitätsschriften. Die vormaligen LEUCOREA-Bibliotheksbestände des Predigerseminars sind heute Teil der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek. Demnächst ist dort geplant, Kataloge der Handschriften, die im Predigerseminar verblieben waren, für die digitale Nutzung aufzubereiten.

Hauptgebäude ULB Halle (erbaut 1878), Quelle: Wikimedia

Der Hauptteil der LEUCOREA-Bibliothek, etwa 45.000 Bände, wurde nach und nach in den Bestand der Universitätsbibliothek Halle (ULB) überführt. Das betraf auch die umfangreiche Ponickauische Sammlung, die bis 1841 nach Halle gebracht worden war. Mittlerweile ist diese Sammlung vollständig von der ULB Halle digitalisiert worden (Link zum Digitalisierungsprojekt). Sie ist allerdings nicht als Sammlungszusammenhang „Ponickauische Bibliothek“ digital verfügbar, sondern nur als nicht isolierbarer Teil des Digitalisierungsprojekts „Drucke des 17. Jahrhunderts“ (innerhalb dieses Bestands sind Selektionen möglich nach Autoren/Beteiligten, Textgattungen, Verlagsorten und Dokumenttypen). Als Ponickauische Sammlung lassen sich die digitalisierten Titel aber über den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek isolieren, und zwar insgesamt 10.352 Titel. Wir haben diese aus dem DNB-Katalog extrahiert und in eine Datei überführt.

Zahlreiche Bücher der Wittenberger Universitätsbibliothek sind zudem im Rahmen der von der DFG geförderten Digitalisierungsprojekte der Drucke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts (VD 16, 17 und 18) online verfügbar gemacht worden. Auf etliche der Werke aus dem früheren LEUCOREA-Bestand wird auf unserer Website verwiesen bzw. verlinkt (siehe auch den Link zum Digitalisierungsprojekt der ULB Halle im Rahmen von VD 16, 17 und 18).

Literatur

Überblicke zu Bibliotheksgeschichte

Bernhard Weißenborn: Die Wittenberger Universitätsbibliothek (1547–1817), in: Leo Stern (Hg.), 450 Jahre Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Bd. 1: Wittenberg 1502–1817, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, o.O. o.J. [Halle 1952], S. 355–376

Hildegard Herricht: Zur Geschichte der Universitätsbibliothek Wittenberg (Schriften zum Bibliotheks- und Büchereiwesen in Sachsen-Anhalt H. 44), Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle/S. 1977

Kurzgefasste Darstellung der Bibliotheksgeschichte vor allem anhand der Bibliotheksordnungen. Die erste Wittenberger Bibliotheksordnung von 1623 ist im (übersetzten) Wortlaut abgedruckt.

Waltraud Guth: Die Universitätsbibliotheken Wittenberg und Halle | Gelehrtenbibliotheken in den Universitätsstädten im 17. und 18. Jh., in: dies., Bibliotheksgeschichte des Landes Sachsen-Anhalt (Schriften zum Bibliotheks- und Büchereiwesen in Sachsen-Anhalt 85), Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2004, S. 63–67 und 68–71

16. Jahrhundert

Ernest G. Schwiebert: Remnants of a Reformation Library, in: The Library Quarterly 10 (1940), S. 494–531

Konrad Amann: Reformation durch Wissensvorsprung? Die Wittenberger Bibliotheca Electoralis, in: Thomas Kaufmann/Elmar Mittler (Hg.), Reformation und Buch. Akteure und Strategien frühreformatorischer Druckerzeugnisse, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2017, S. 243–261

Carl Georg Brandis: Luther und Melanchthon als Benutzer der Wittenberger Bibliothek, in: Theologische Studien und Kritiken 2/1917, S. 206–221

Thomas Lang/Anke Neugebauer: Zur universitären Nutzung des Schlosses und der Schlosskirche in ernestinischer Zeit, in: Heiner Lück/Enno Bünz/Leonard Helten/Armin Kohnle/Dorothée Sack/Hans-Georg Stephan (Hg.), Das ernestinische Wittenberg. Die Leucorea und ihre Räume (Wittenberg-Forschungen Bd. 4), Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017, S. 339–416

Hendrikje Carius: Die Bibliotheca Spalatini“ als humanistisch-reformatorische Gelehrtenbibliothek, in: Enno Bünz/Thomas Fuchs/Stefan Rhein (Hg.), Buch und Reformation. Beiträge zur Buch- und Bibliotheksgeschichte Mitteldeutschlands im 16. Jahrhundert, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2014, S. 87–124

Georg Buchwald: Archivalische Mittheilungen über Bücherbezüge der kurfürstl. Bibliothek und Georg Spalatin’s in Wittenberg, in: Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels 18 (1896), S. 7–15

Maria Grossmann: The Growth of a Humanistic Library, in: dies., Humanism in Wittenberg 1485–1517, de Graaf, Nieuwkoop 1975, S. 100–112

Ernst Hildebrandt: Die kurfürstliche Schloß- und Universitätsbibliothek zu Wittenberg 1512–1547. Beiträge zu ihrer Geschichte, in: Zeitschrift für Buchkunde 1/1925, S. 34–42; 3/1925, S. 109–129; 4/1925, S. 157–188

Irmgard Kratzsch: Wittenberger kurfürstliche Bibliothek, in: Friedhilde Krause/Felicitas Marwinski (Hg.), Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Olms-Wiedmann, Hildesheim 1999, S. 61–64 – Google Books

Heiner Schnelling: Hamlet, Wittenberg, die Universität, die Bibliothek, in: Erland Kolding Nielsen/Klaus G. Sauer/Klaus Ceynowa (Hg.), Die innovative Bibliothek. Elmar Mittler zum 65. Geburtstag, K.G. Saur Verlag, München 2005, S. 211–222

David Garrick als Hamlet, Quelle: Wikimedia

Die wichtigste Quelle Shakespeares für den Hamlet-Stoff war die „Historica Danica“ des Saxo Grammaticus aus dem späten 12. Jahrhundert, mithin aus einer Zeit 300 Jahre vor der Wittenberger Universitätsgründung. Im übrigen aber stellt der Autor launige Erwägungen an, warum Shakespeares Hamlet nach Ansicht seines Onkels König Claudius und dessen Gemahlin Königin Gertrud nicht zum Studium nach Wittenberg zurückkehren solle. Seine Vermutung: weil die Universitätsbibliothek 1547 nach Weimar verbracht worden war und daher an ein wirkliches Studium kaum zu denken sei. Nachdem diese Brücke zum Thema des Buches, in dem der Text erschien, geschlagen ist, folgt ein instruktiver Abriss der Wittenberger Universitätsbibliotheksgeschichte. Auffällig dabei: Bereits der Aufbau der ersten Universitätsbibliothek – als kurfürstlicher Schlossbibliothek – wird als sehr planvoll und erfolgreich beschrieben, mit dem Ergebnis eines respektablen Bestandes von 3.132 Bänden, während sich dies in anderen Darstellungen als eher wenig bedeutsamer Bestand bewertet findet.

Thomas Lang: „bucher gud unde beße“. Die Beziehung zwischen der Wittenberger Schlossbibliothek und dem kursächsischen Hof. Möglichkeiten und Grenzen der Auswertung von Rechnungsquellen, in: Enno Bünz/Thomas Fuchs/Stefan Rhein (Hg.), Buch und Reformation. Beiträge zur Buch- und Bibliotheksgeschichte Mitteldeutschlands im 16. Jahrhundert, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2014, S. 125–172

Ulrike Ludwig: Bibliotheken und Büchersammlungen an der Universität Wittenberg. Standorte und Benutzung im 16. Jahrhundert, in: Stefan Oehmig (Hg.), Buchdruck und Buchkultur im Wittenberg der Reformationszeit (Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt Bd. 21), Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015, S. 261–302

Stefan Michel: Der Sammler, Herausgeber, Multiplikator und Händler von Luthers Büchern Georg Rörer. Ein Beitrag zur reformatorischen Buchproduktion, in: Enno Bünz/Thomas Fuchs/Stefan Rhein (Hg.), Buch und Reformation. Beiträge zur Buch- und Bibliotheksgeschichte Mitteldeutschlands im 16. Jahrhundert, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2014, S. 173–190

Thomas Lang/Anke Neugebauer: Aus Kisten, auf den Dachstuhl, in die Hofstube. Das Entstehungsumfeld der Wittenberger Schlossbibliothek (Bibliotheca Electoralis) 1437–1545, in: Matthias Meinhard (Hg.), Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek Wittenberg. Eine Einladung, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2017, S. 33–48

Marie Schlüter: Musikgeschichte Wittenbergs im 16. Jahrhundert. Quellenkundliche und sozialgeschichtliche Untersuchungen (Abhandlungen zur Musikgeschichte Bd. 18), V&R unipress, Göttingen 2010, 375 S. – Inhaltsverzeichnis

Wittenberg entwickelte sich im 16. Jahrhundert zu einem Kulminationszentrum städtischer Musikkultur und war überregional bedeutend für die praktische sowie theoretische Musikpflege. Die Autorin untersucht dies institutionen- und sozialgeschichtlich. Mit Blick auf die Bibliotheksgeschichte der LEUCOREA sind folgende Kapitel besonders interessant: Wittenberger Musikalien in der kurfürstlichen Universitätsbibliothek (S. 181–199) und in der Universitätsbibliothek nach 1548 (S. 199–228).

Zur Überlieferung Wittenberger Bibliotheksbestände und der Georg Rörer-Sammlung in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena

Konrad Amann: Rörers Spuren in der Bibliotheca Electoralis. Vorläufige Beobachtungen zu seiner Herkunft und Arbeitsweise, in: Stefan Michel/Christian Speer (Hg.), Georg Rörer. Der Chronist der Wittenberger Reformation, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012, S. 201–218

Paul Flemming: Die Lutherbriefe in der Rörersammlung an der Universitätsbibliothek zu Jena, in: Studien zur Reformationsgeschichte und zur praktischen Theologie. Gustav Kawerau an seinem 70. Geburtstag dargebracht, Verlag von M. Heinsius Nachfolger, Leipzig 1917, S. 21–40

Anneliese Bieber-Wallmann: Die Predigten Johann Bugenhagens der Jahre 1524 bis 1527 in der Sammlung Rörers, in: Stefan Michel/Christian Speer (Hg.), Georg Rörer. Der Chronist der Wittenberger Reformation, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012, S. 137–170

Thomas Mutschler: Die Aufbereitung, Digitalisierung und Präsentation der Bibliotheca Electoralis (1502–1547) in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, in: Irmgard Siebert (Hg.), Digitalisierung in Regionalbibliotheken, Verlag Klostermann, Frankfurt a.M. 2012, S. 157–172

Bernhard Tönnies: Die mittelalterlichen lateinischen Handschriften der Electoralis-Gruppe (Die Handschriften der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena Bd. 1), Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2002, 392 S.

Der Katalog beschreibt hundert mittelalterliche lateinische Handschriften aus der einstigen Kurfürstlichen Bibliothek in Wittenberg. Bisher lag für diesen Bestand nur ein gedruckter Katalog aus dem Jahr 1746 vor. Inhaltlich ist es ein Mischbestand, bei dem die Theologie mit 63 Handschriften den größten Anteil stellt, gefolgt von den Juridica (14). Herausragende Stücke sind das Fest-Evangelistar und das Fest-Epistolar Friedrichs des Weisen von 1507 (Ms.El.f. 1 und 2) sowie das um 1000 in Quedlinburg entstandene Evangeliar mit Elfenbeintafeln (Ms.El.f. 3). Besondere Hervorhebung verdienen außerdem wegen ihrer teilweise sehr selten überlieferten Texte fünf alchimistische und acht astronomisch-astrologische Handschriften, letztere aus dem Besitz des 1536 gestorbenen Wittenberger Mathematikprofessors Johann Volmar aus Villingen. Als weitere Vorbesitzer sind die im Zuge der Reformation aufgelösten sächsischen und thüringischen Klöster zu nennen, insbesondere das Prämonstratenserkloster Mildenfurth bei Weida (27) und das Zisterzienserkloster Grünhain im Westerzgebirge (10). Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, sind die Handschriften zwischen dem 13. und dem Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden.

Joachim Ott: Die mittelalterlichen französischen Handschriften der Electoralis-Gruppe; mittelalterliche Handschriften weiterer Signaturreihen (Abschluss) (Die Handschriften der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena Bd. 3), unt. Mitarb. v. Hanno Wijsman, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2016, 190 S. – Inhaltsverzeichnis

Der Band umfasst Beschreibungen von 28 Handschriften. Das Hauptaugenmerk gilt zwölf herausragenden, kunstvoll illuminierten französischen Pergamenthandschriften des 14./15. Jahrhunderts aus dem Vorbesitz der Wittenberger Kurfürstlichen Bibliothek. Sie entstammen Aufträgen bzw. Bibliotheken berühmter Bibliophiler wie Jean de Berry, Margarete von York oder Philipp von Kleve. Der Forschung sind sie seit langem geläufig und wurden vielfach erwähnt; als Gruppe eingehender gewürdigt wurden sie allerdings zuletzt vor knapp einem Jahrhundert, und eine fundierte kodikologische Untersuchung fehlte völlig. Die nun publizierten eingehenden Katalogisate bieten eine Neubewertung der Datierung, Lokalisierung und buchkünstlerischen Einordnung dieser Handschriften. Der Band enthält zudem die Beschreibungen von weiteren drei französischen, sieben lateinischen, drei italienischen und zwei deutschen Handschriften sowie einer mittelniederländischen Handschrift. Sie enthalten teils bisher nicht bekannte theologische, astronomisch-astrologische, medizinische und literarische Texte und liefern wertvolle Hinweise für die Erforschung dieser Gebiete.

Joachim Ott: Georg Rörer (1492–1557) und sein Nachlass in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, in: ders./Martin Treu (Hg.), Luthers Thesenanschlag. Faktum oder Fiktion, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2008, S. 47–57

Joachim Ott: Zur Verwahrungsgeschichte der Rörersammlung in Jena, in: Stefan Michel/Christian Speer (Hg.), Georg Rörer. Der Chronist der Wittenberger Reformation, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012, S. 229–252

Ernst-Otto Reichert: Amsdorffiana der Thüringischen Landesbibliothek zu Weimar, in: ders., Amsdorff und das Interim. Kommentierte Quellenedition mit ausführlicher historischer Einleitung. Nach dem maschinenschriftlichen Manuskript der Dissertation aus dem Jahre 1955 digital erfasst, für den Druck eingerichtet und um Register und bibliographische Nachträge ergänzt von Hans-Otto Schneider, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2011 – Inhaltsverzeichnis

Sabine Wefers: Wissen in Fässern und Kisten. Von Wittenberg nach Jena, in: Volker Leppin/Georg Schmidt/ Sabine Wefers (Hg.), Johann Friedrich I. – der lutherische Kurfürst (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte Bd. 204), Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, S. 191–207

Bernh[ard] Willkomm: Die Bedeutung der Jenaer Universitätsbibliothek für die reformationsgeschichtliche Forschung, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 6/1913, S. 245–261

Zu den Wittenberger Wurzeln der Jenaer Universitätsbibliothek.

Bernhard Willkomm: Beiträge zur Reformationsgeschichte aus Drucken und Handschriften der Universitätsbibliothek in Jena, in: Archiv für Reformationsgeschichte IX. Jg. 1911/12, Verlag von M. Heinsius Nachfolger, Leipzig 1912, S. 240–262, 331–346

Anhand von Einzelfunden in der Bibliothek und mit viel Liebe zum Detail zeigt Willkomm, welche Wittenberg-bezogenen Recherchepotenziale in den Beständen der Jenaer Universitätsbibliothek schlummern.

Helmut Zschoch: Luthers Reden hören und bewahren. Georg Rörers Nachschriften der Predigten des Reformators, in: Stefan Michel/Christian Speer (Hg.), Georg Rörer. Der Chronist der Wittenberger Reformation, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012, S. 125–136

Die Ponickauische Bibliothek

[Eduard] Boehmer: Bericht über die von Ponickauische Bibliothek der Universität Halle-Wittenberg, in: Zur Feier der fünfzigjährigen Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg, Halle 1867, S. 37–76

Umfangreiche Darstellung der Geschichte der Ponickauschen Bibliothek von der Schenkung der Sammlung durch Johann August Ponickau auf Klipphausen (1718–1802) an die Universitätsbibliothek Wittenberg bis zur Überführung der Bibliothek nach Halle und die Erweiterung ihres Bestandes in der Zeit nach der Universitätsvereinigung. Dass der Bericht des Romanisten und Theologen Boehmer zum Vereinigungsjubiläum der Universitäten Wittenberg und Halle veröffentlicht wurde, unterstreicht den großen Wert der Ponickauschen Sammlung für die Universitätsbibliothek in Halle.

Fritz Juntke: Johann August von Ponickau und seine Bibliothek (Schriften zum Bibliotheks- und Büchereiwesen in Sachsen-Anhalt H. 60), Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle/S. 1987

Der Autor zeichnet auf Basis des Aktenmaterials vor allem der Universitäten Halle und Wittenberg, des Universitätsarchivs und des Kurators der Universität Halle die Geschichte der Ponickauschen Bibliothek im 19. Jahrhundert nach und legt den Schwerpunkt auf die langwierige Überführung der Sammlung nach Halle und die Schwierigkeiten bei der Teilung der Bibliothek. Die Bestandsgeschichte und Ausführungen zur Katalogisierung der Sammlung enden an der Wende zum 20. Jahrhundert. Juntke versteht seine Geschichte der Ponickauschen Bibliothek nicht nur als wichtige Ergänzung zu der Bibliotheksgeschichte von Eduard Boehmer, sondern postuliert, dass erst beide Arbeiten zusammen ein vollständiges Bild ergäben.

Walter Müller: Johann August von Ponickau (1718–1802) und seine Bibliothek, in: Hermann-Josef Rupieper (Hg.), Beiträge zur Geschichte der Martin-Luther-Universität 1502-2002, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2002, S. 35–45

Wolfgang Stammler: Gellert-Briefe in der Bibliotheca Ponickauiana zu Halle, in: Thüringisch-sächsische Zeitschrift für Geschichte und Kunst 1912, S. 247–263

Marie Christine Henning: Johann August von Ponickau. Geschichte einer Gelehrtenbibliothek, hrsg. von der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Olms Verlag, Hildesheim/Zürich/New York 2002, 96 S.

Der Band enthält zum einen den umfangreich bebilderten Text „Johann August von Ponickau. Geschichte einer Gelehrtenbibliothek“, zum anderen den Katalog zur Ausstellung, die 2002 im Rahmen der Feier des 500jährigen Gründungsjubiläums der Martin-Luther-Universität 2002 die Geschichte der Ponickauischen Bibliothek zeigte.

Die Ungarische Bibliothek

Karl Gerhard: Die Ungarische Nationalbibliothek der Universität Halle-Wittenberg, in: Beiträge zur Bücherkunde und Philologie. August Wilmanns zum 25. März 1903 gewidmet, Otto Harrassowitz, Leipzig 1903, S. 139–158

Reinhold Heinrich: Die Handschriftensammlung der Ungarischen Nationalbibliothek zu Halle, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 11/1913, S. 490–499

Miklós Pálfy: Katalog der Handschriftensammlung der Hallenser Ungarischen Bibliothek. Catalogus manuscriptorum Bibliothecae nationis Hungaricae Halensis (Arbeiten aus der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle a.d. Saale Bd. 4), Verlag Niemeyer, Halle/Saale 1965, 271 S.

Miklós Pálfy: Bibliographische Seltenheiten der Hallenser Ungarischen Bibliothek, Verlag Niemeyer, Halle/Saale 1967, 124 S.

Gyula Nagy: Handschriftenschätze der Hallenser Ungarischen Bibliothek, in: Zeichen der Zeit 21 (1967), S. 70–71

D. Čyževśkyj/M. Pálfi: Slavica in der Ungarischen Bibliothek in Halle, in: Zeitschrift für Slavische Philologie 19 (1947), S. 143–160

Joseph Fitz: Georg Michael Cassai und seine Bibliothek, in: Aus der Forschungsarbeit der Mitglieder des Ungarischen Instituts und des Collegium Hungaricum in Berlin. Dem Andenken Robert Graggers gewidmet, de Gruyter, Berlin/Leipzig 1927, S. 122–145

Ildikó Gábor: Die Bibliothek der in Wittenberg studierenden Ungarn in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 10 (1986), S. 442–447

Ildikó Gábor (Hg.): Bibliotheca Nationis Hungariae. Die Ungarische Nationalbibliothek in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle. Der Katalog aus dem Jahr 1755. Textausgabe der Handschrift der Széchényi Nationalbibliothek Budapest: catalogus librorum, dissertationum et manuscriptorum variorum ad rem Hungaricam praecipue facientium ex bibliotheca, quae Vitebergae est, Hungarorum congestus ab Adamo Latsny Turotzensi ; Vitebergae Saxonum die XV. Nov. A.R.S.M.DCC.LV, hrsg. unter Mitw. von Silke Trojahn, Olms, Hildesheim 2005, 272 S. – Inhaltsverzeichnis

Der Band macht den ersten erhaltenen Katalog der Sammlung der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Dieser war 1755 von Adam Latsny zusammengestellt worden und nur noch in der Szecenyi-Nationalbibliothek Budapest erhalten.

Die Universitätsbibliothek um 1800

Franz Heinrich Ludwig Leopold: Ueber die akademische Bibliothek zu Wittenberg (Aus des Hrn. Prof. Grohmanns Wittenberg. Annalen einigemal besonders abgedruckt.), Meitzerische Schriften, Wittenberg 1802

Der Autor offeriert eine ausschnitthafte Bestandsbeschreibung der Universitätsbibliothek um 1800. Es wird daher keine umfassende Bibliotheksgeschichte erzählt, sondern eine Bestandsaufnahme mit Blick auf wichtige Sammlungen und Werke am Beginn des 19. Jahrhunderts vorgenommen.

Lange, W. E. [Pseudonym für Gottlob Wilhelm Gerlach]: Die Rettung der Wittenberger Universitäts-Bibliothek durch deren ersten Custos M. Gottlob Wilhelm Gerlach. Zur Geschichte des Jahres 1813, Verlag von Julius Fricke, Halle 1859

1813 war die Universitätsbibliothek infolge der napoleonischen Besetzung Wittenbergs aus dem Augusteum ausgewiesen worden, so dass ihre 22.000 Bände elbaufwärts nach Dresden verbracht wurden. Das gestaltete sich angesichts der Befestigung Wittenbergs durch die napoleonischen Truppen als risikoreich. Dem damaligen Custos Gottlob Wilhelm Gerlach war es zu danken, dass die Bibliothek diesen Abtransport und den Rücktransport nach Wittenberg wohlbehalten überstand. In der Broschüre schildert er die Ereignisse.

Johann Christian August Grohmann: Zur Geschichte der Universitäts-Bibliothek, in: ders., Annalen I 1801, S. 90–100, Annalen II 1802, S. 98–102 u. Annalen III 1802, Anhang, S. 38–44

Brigitte Scheschonk: Die Bedeutung der Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg für die Universitätsbibliothek Halle, in: Joachim Dietze (Hg.), 275 Jahre Universitäts- und Landesbibliothek in Halle (Saale). Entwicklung und Leistung einer Bibliothek, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle 1971, S. 49–52

Universitätsbibliotheksbestände in der Predigerseminar-Bibliothek

Heinrich Kramm: Wittenberg und das Auslandsdeutschtum im Lichte älterer Hochschulschriften, Verlag Otto Harrassowitz, Leipzig 1941

Der Autor beschreibt im ersten Teil bibliografisch und historisch den Wittenberger Dissertationsbestand, der nach 1817 in das Predigerseminar überführt wurde. Im zweiten Teil des Buches wird diese Bestandsaufnahme mit einer Analyse der Dissertationen ausländischer Studenten und ihrer Beziehung zur LEUCOREA verbunden. Der Duktus des Werks ist vom völkischen Denken der NS-Zeit geprägt. Jenseits dessen leistet der Autor einen wichtigen und in der Forschung bisher kaum beachteten Beitrag zur Überlieferungsgeschichte der Wittenberger Hochschulschriften.

Erika Schulz: Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars [Bestandsgeschichte und Beschreibung], in: Bernhard Fabian (Hg.), Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Olms Neue Medien, Hildesheim 2003; digitale Fassung, Stand 1997

E[wald] Horn: Die Wittenberger Seminar-Bibliothek, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen Bd. XIII (1896), S. 517–518

Matthias Piontek: Universitätsbibliothek – Seminarbibliothek – Forschungsbibliothek. Die Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars im Wandel, in: Hanna Kasparick/Hartmut Kühne/Birgit Weyel (Hg.), Gehrock, T-Shirt und Talar. 200 Jahre Evangelisches Predigerseminar Wittenberg, Lukas Verlag, Berlin 2016, S. 172–185

Matthias Piontek: „Die Bibliothek mit einem feinen nützlichen Buch vermehren.“ Zur Bestandsgeschichte der Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg, in: Matthias Meinhard (Hg.), Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek Wittenberg. Eine Einladung, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2017, S. 71–83

Stefan Rhein: „Zur Ehre Luthers“. Das Predigerseminar als Ort der Wittenberger Reformationsmemoria, in:Hanna Kasparick/Hartmut Kühne/Birgit Weyel (Hg.), Gehrock, T-Shirt und Talar. 200 Jahre Evangelisches Predigerseminar Wittenberg, Lukas Verlag, Berlin 2016, S. 72–90

Erika Schulz: Bücher aus den beiden Wittenberger Klosterbibliotheken in der Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg, in: Heimatverein der Lutherstadt Wittenberg und Umgebung/Kulturbüro der Lutherstadt Wittenberg (Hg.), Vorträge zur lokalen Entwicklung anläßlich der Festwoche „700 Jahre Wittenberg“, Wittenberg 1994, S. 32–35

Jutta Fliege: Die Handschriften des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg. Bestandsverzeichnis aus dem Zentralinventar Mittelalterlicher Handschriften (ZIH) (Handschrifteninventare H. 7), Deutsche Staatsbibliothek, Berlin 1984, VIII + 26 S.

In dem Büchlein werden zwölf mittelalterliche Handschriften im Bestand des Evangelischen Predigerseminars beschrieben, die im Bestand der LEUCOREA-Bibliothek waren und nach der Universitätsvereinigung mit Halle 1817 in der Bibliothek des neu gegründeten Predigerseminars verblieben.

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