Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF, seit 1996)

Das Institut befasst sich überwiegend mit der Erforschung aktueller Hochschulreformen und Wissenschaftsentwicklungen. Dabei widersteht es einer Versuchung, die der Sitzort Wittenberg nahelegen könnte: Es wird keine örtliche Traditionslinie konstruiert – beginnend beim Bildungs- und Hochschulreformer Philipp Melanchthon, sich fortsetzend mit einzelnen Wittenberger Vertretern der Mitteldeutschen Aufklärung, die auch Ideen zur Neugestaltung akademischer Studien formulierten, und dann gleichsam kulminierend in der Etablierung eines Instituts für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.

Für die Konstruktion einer solchen Linie waren die Wittenberger Entwicklungen zu erratisch und wechselhaft. Genau deshalb aber hat HoF diese Entwicklungen selbst untersucht. Denn das fügt sich in das Forschungsprofil des Instituts: Es analysiert Zusammenhänge und Kollisionen, Auf-, Um- und Abbrüche, die in den Überlappungsbereichen von Hochschul-, Wissenschafts-, Zeitgeschichts-, Bildungs- und Regionalentwicklungen bestehen und entstehen. HoF ist als An-Institut der Martin-Luther-Universität assoziiert.

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Literatur

Peer Pasternack: Genius loci?, in: ders., 20 Jahre HoF. Das Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg 1996–2016: Vorgeschichte – Entwicklung – Resultate, BWV – Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2016, S. 14–22

Peer Pasternack: Wittenberg nach der Universität. Ein Forschungsprogramm am Institut für Hochschulforschung in der Leu­co­rea, in: Heimatkalender Lutherstadt Wittenberg & Landkreis Wittenberg 2006, Wittenberg 2006, S. 77–86

Peer Pasternack: 20 Jahre HoF. Das Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg 1996–2016: Vorgeschichte – Entwicklung – Resultate, BWV – Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2016

Das Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF) war eine Gründung gegen man­cherlei Wahrscheinlichkeiten. Warum und wie es dennoch 1996 zu dieser Gründung kam und auf welcher Vorgeschichte sie aufbaute, verdient, erzählt zu werden. Auch die 20 Jahre danach halten reichlich Stoff für eine exemplarische Erzählung bereit: wie sich ein ‚Ost-Ins­ti­tut‘ als ein gesamtdeutsches zu konsolidieren vermochte, welche mehfachen Neuerfindungen seiner selbst es dabei zu bewerkstelligen hatte, wie sich Forschung jenseits der Bindung an eine Ein­zeldisziplin organisieren lässt, auf welche Weise sich ein Institut auf sein Sitzland einlas­sen kann, ohne darüber zum Regionalinstitut zu werden, und wie sich bei all dem externe und interne Turbulenzen produktiv wenden lassen.

Peer Pasternack (Hg.): Kurz vor der Gegenwart. 20 Jahre zeitgeschichtliche Aktivitäten am Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF) 1996–2016, BWV – Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2017

Das Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF) widmet sich seit seiner Gründung zwar vorrangig der forschenden Aufklärung gegenwartsbezogener Entwicklun­gen. Daneben aber hat es kontinuierlich auch zeithistorische Themen bearbeitet. Insgesamt wurden in den ersten 20 Jahren 52 Projekte zur Bildungs-, Hochschul- und Wissenschaftszeitgeschichte durch­­geführt, deren Ergebnisse in 41 Büchern, 20 Forschungsberichten und 166 Artikeln do­­kumentiert sind. Das Buch fasst diese für jedes Projekt auf jeweils fünf Seiten zusam­men. Die Themen reichen von den programmatischen Konzepten der Hochschulentwicklung in Deutschland seit 1945, dem Phänomen akademischer Rituale oder der Entwicklung der Hochschulbildungsbeteiligung in West und Ost seit 1950 über das Verhältnis von Politik und Wissenschaft in der DDR, den ostdeutschen Hochschulbau, die dortige wissenschaft­­liche Zeitschriftenlandschaft, den (Nicht-)Zusammenhang von Bildungs- und Beschäf­­tigungssystem in der DDR, das dort existierende konfessionelle Bildungswesen, die DDR-Gesellschaftswissen­schaf­ten, Weiterbildung an DDR-Universitäten, den Spezialsektor der Militär- und Polizeihochschulen in der DDR, die künstlerischen Hochschulen daselbst und die Aufarbeitung der ostdeutschen akademischen Medizin nach 1989, desweiteren die Ent­wicklung privater Hochschulen seit 1950 im internationalen Vergleich, die 50jährige Ge­schichte des Schweizerischen Wissenschaftsrats oder die westdeutsche DDR-Forschung vor und die gesamtdeutsche DDR-Forschung nach 1989 bis hin zur ostdeutschen Wissenschafts­transformation ab 1990 und dem Umgang der Hochschulen mit  ihrer Zeitgeschichte – so­wie zahlreichen weiteren Themen.

Peer Pasternack: Fünf Jahrzehnte, vier Institute, zwei Systeme. Das Zentralinstitut für Hochschulbildung Berlin (ZHB) und seine Kontexte 1964–2014, BWV – Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2019

50 Jahre Forschung über Hochschulen im Osten Deutschlands: 1964 war das Institut für Hochschulpolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin gegründet worden. 2014 war das Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF) in seiner heutigen Form inhaltlich und organisatorisch konsolidiert. Dazwischen lagen noch zwei weitere Institute, sehr unterschiedliche Umfeldentwicklungen und mehrere krisenhafte Situationen, darunter ein Wechsel des Gesellschaftssystems. Auf je eigene Weise waren alle vier Einrichtungen mit ihren Vorgängern bzw. Nachfolgern verknüpft. Zu verfolgen sind organisatorische, kulturelle und in­halt­liche Kontinuitäten wie Brüche innerhalb zweier Gesellschaftssysteme und über den 1989er Systemwechsel hinweg: 25 Jahre vor und 25 Jahre nach der Implosion des DDR-Sozialismus.

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